Platzgestaltung
Stöckachplatz
Stuttgart / GER
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17. Dezember 2018

Stöckachplatz

Projektdaten

Stöckachplatz
Auftraggeber Stadt Stuttgart
Auszeichnung 2. Preis
Region Europe
Typologie Öffentlicher Raum / Landschaftsplanung, Architektur
Art Wettbewerb (gesetzt)
Planungszeitraum 2015 - 2015
Gebietsgröße ca. 0,95 ha
Geschossfläche 2.300 qm
Kooperationspartner
  • Freier Landschaftsarchitekt Dipl. –Ing. (FH) Johannes Jörg
  • Koehler & Leutwein GmbH & Co. KG
  • Verkehrsplaner S. Wammetsberger

Städtebauliche Konzeption

Vorrangiges Ziel der Konzeption ist, dem Stöckachplatz, der derzeit eher die Anmutung eines Verkehrsknotens hat, wieder die Wirkung eines Stadtplatzes zu geben. Um dies zu erreichen, wird zunächst mit einem Neubau die mit dem Verlust der alten Stöckachschule verlorene Raumkante wiederhergestellt, um dem Platz seine ursprüngliche räumliche Figur des zu einer Seite hin offenen Quadrats wieder zu geben. Diese Form wird durch den Bodenbelag betont, der das Quadrat nachzeichnet und dabei die den Platz durchschneidenden Trassen der Stadtbahn und des MIV überspringt.

Die Hauptfläche des Platzes im Süden wird so gestaltet, dass sie trotz der schwierigen topografischen Situation eine zentrale ebene multifunktionale Fläche erhält, gesäumt von Sitzstufen oberhalb wie unterhalb. Durch Wegfall einer Rechtsabbiegespur aus der Hackstraße kommend kann auch der nördliche Platzbereich ausgeweitet und damit zu einer wertvollen Aufenthaltsfläche aufgewertet werden.

 

Um dem Platz eine großzügigere Wirkung zu geben und nicht durch Stufen in zwei Richtungen zu zerstückeln, wird eine Lösung gewählt, die nur im stärkeren Gefälle mit Sitzstufen arbeitet und im schwächeren Gefälle mit sanften Rampen (4-5%). Dabei werden sowohl Rampen als auch die Stufen soweit es die Topografie zulässt an die Ränder des Platzes geschoben, damit in der Mitte eine großzügige, weitgehend ebene Fläche entsteht.

 

Freiraumkonzept

Das Freiraumkonzept betont die Art und Weise, wie mit der Topografie umgegangen wird, indem die Stufen in einem andersfarbigen Stein abgesetzt werden und mit diesem Material auch weitergeführt werden, wenn sie in der Topografie aufgehen. Die Streifen überspringen auch die Fahrbahnen und setzen sich auf der gegenüberliegenden Seite fort, um den Zusammenhalt des Platzes zu stärken.

Die Bestandsbäume bleiben weitgehend erhalten und werden gezielt ergänzt und locker über den Platz verteilt – ebenfalls auch auf die nördliche Platzseite, um die Einheit des Platzes zu betonen.

Die Aufteilung der Sitzstufen zoniert den Platz in drei Bereiche: An der Neckarstraße ist eine erste ebene Fläche, die als Entree des Platzes dient. Etwas oberhalb sind zwei erste Höhensprünge, die als Sitzstufen unter den Bäumen ausgebildet sind. Hier befindet sich auch der kleine Kiosk (die WCs befinden sich neben dem Läden im Neubau), an der Stelle mit dem schwierigsten Höhenversprung, der sich durch das kleine Gebäude überbrücken lässt.

Der Kiosk bildet gleichzeitig die untere Ecke des nun anschließenden größten Platzbereichs, einer großzügigen fast ebenen und daher multifunktional für Feste, Märkte etc. zu nutzenden Fläche. Sie kann – in Ausnahmen (Müllabfuhr, Rettungsfahrzeuge, LKWs, die in der Werastraße nicht wenden können) – überfahren werden. Oberhalb wird diese Fläche gesäumt von zwei weiteren Höhensprüngen, die ebenfalls als Sitzstufen nutzbar sind und einen Blick über den Platz bieten. Sie leiten über zum letzten Bereich des Platzes, einer promenadenartigen Situation entlang der neuen Einzelhandelsflächen.

Von dort aus führen zwei Treppen – eine innerhalb, eine seitlich des Neubaus – in den zurückhaltend begrünten Innenhof, von dem aus das Quartierszentrum mit Cafe erreicht werden kann. Aus dem Hof heraus führt eine Treppe weiter in den grünen Hang und zur Landhausstraße.

Das Grün des Hanges wird auch in der Neckarstraße im begrünten Gleisbett aufgenommen, so dass das Grün die Klammer für den steinernen Platz bildet.

 

Gebäudekonzept

Die alte Stöckachschule war – anders als die Hauswirtschaftliche Schule – in Größe und Gliederung auf den Platz abgestimmt. Der Neubau übernimmt die wesentliche Baukörpergliederung des historischen Vorbilds, um der südöstlichen Platzwand wieder eine angemessene Präsenz zu geben, jedoch mit einigen Anpassungen an die geänderten Rahmenbedingungen. So wird angesichts der weit größeren Bedeutung der Hackstraße gegenüber der Werastraße der nördliche Eckrisalit höher ausgebildet. Auch wird er weiter in den Straßenraum der Hackstraße gesetzt, um dem Platz mehr Geschlossenheit zu verleihen.

Weiter wird das Gebäude zwar als ein Komplex behandelt, gleichzeitig wird durch eine Gliederung des Baukörpers die Mischung unterschiedlicher Funktionen angedeutet. Dies geschieht durch ein an den Stuttgarter Bauwich angelehntes Motiv von Fugen, die das Gebäude in der Körnung zudem an die Umgebung anpassen. Auch schaffen die Fugen eine Durchlässigkeit des Gebäudes vom Platz zum grünen Hügel, als Sichtbezug, als Durchwegung und als kleine Klimaschneise.

Auf der Platzebene sind ein Vollsortimenter und zwei Ladengeschäfte sowie die Anlieferung angeordnet. Vom öffentlichen Hof eine Ebene höher sind ein Café, das Bürgerzentrum und die Kita zugänglich. auf der Südostseite des Hofes befinden sich Atelierwohnungen, die den Hof teils mit nutzen können. In den oberen Geschossen befinden sich Wohnungen.

Die Abstände zwischen den Gebäuden wurden in der zweiten Bearbeitungsphase erweitert, so dass sie den baurechtlichen Vorgaben von zwei mal 0,2 der Gebäudehöhe entsprechen. Dabei wird davon ausgegangen, dass für das Gelände im Bebauungsplan Kerngebiet festgesetzt wird, da die geforderten Baumasse und die daraus resultierenden GFZ- und GRZ-Werte dies ohnehin erforderlich machen.